hiphop hatten wir lange nicht mehr. und queeren oder female hiphop gar
noch nie, soweit ich mich erinnern kann. also richtig was besonderes.
schön auch der vergleich zum vorabend, denn obwohl hiphop ja
zwangsläufig etwas prolliges hat, waren die nervenden personen diesmal
in der minderzahl. es ist eben ein unterschied, ob man prollig aussieht
oder rumprollt. so hatte ich mich auch dem anlass angemessen gestylt,
sozusagen verkleidet, als "ghetto girl", was angeblich sogar
authentisch wirkte. gerade im vergleich zu meinem eleganten lady-look
am freitag hatte das richtig was, und die meisten leute brauchten auch
ne weile, um mich zu erkennen.
nun also zum bühnenprogramm. nach einem nicht angekündigten auftritt
eines mc-duos, dessen namen ich schon wieder vergessen habe, betraten
die tollen "too many mcs" die bühne. einige männliche zuschauer
schienen ein problem damit zu haben, dass die künstler_innen nicht in
ihr zweigeschlechtliches weltbild passten und mussten ein bisschen
rumnerven, ganz amüsant fand ich, dass ich allein mit bösem blick ihren
gegengesang zumindest zeitweilig unterbrechen konnte. großartig der
abschluss mit einer umgetexteten version von "schwule mädchen", da
mussten selbst die störer vor respect (oder weil sie jetzt gar nichts
mehr verstanden?) verstummen.
im anschluss ein bisschen prominenz: ischen impossible feat. meli, die
mit ungeahntem charme das publikum in ihren bann zog - da vergab
man ihnen sogar, dass ein stück von jesus handelte (das habe ich
irgendwie verpasst, aber wurde mir mehrmals berichtet). "stress en
mass", das kennt ihr doch bestimmt auch noch, das ist schon toll,
in seinen eigenen jugend(?)zentrum mal richtige hits von den stars
persönlich zu hören ;-) die eine ische war sogar im siebten monat
schwanger, was ihrer power keinen abbruch tat, und ansonsten hatten sie
noch einen polnisch rappenden gast-mc dabei. nach einigen technischen
störungen gab es noch ein paar politische tracks, wir sind alle frauen
und kanacken usw. (auf eine genaue interpretation muss an dieser stelle
verzichtet werden). angetan war das publikum allemal.
zum anschließenden tanzbein-schwingen boten sich verschieden
möglichkeiten, ich tobte mich ein bisschen aus bei gesine
pertenbreiter, die nach langem mal wieder zu ihren d'n'b-roots
zurückgekehrt war (zumindest wurde ich zuletzt von ihr eher mit techno
beschallt). später dann bei der local squat crew zu diversen facetten
des raps und verwandtem wie raggaton gehottet, einen lustigen abschluss
bildete, dass zur anti deutschen welle sogar personen mittanzen mussten, die sich eher in kreisen verorten,
die böse zugen als antizionistisch bezeichnen. der indietronik-club
misantroph bot zwischendurch noch ausruhmöglichkeiten, sodass mal
wieder gut bis zum ende durchgehalten werden konnte - diesmal wurde es
sechs.
mit einer trotzigen jetzt-erst-recht-haltung fuhr ich leicht verspätet
los, auch wenn die verabredung in letzter minute abgesprungen war. zum
glück, wie ich wusste, war ja noch mit der anwesenheit ein paar guter
freund_innen zu rechnen.
erster eindruck: total anstrengende stimmung. bei der als "97%
lady-punk-night" angekündigten veranstaltung, dachte sich anscheinend
die versammelte männliche proll-punk-gemeinde, wären sie wohl gerade
richtig, es wurde geschubst, gepöbelt, angemacht und rumgenervt ohne
ende. aber davon sollte frau sich ja den spaß nicht nehmen lassen.
heimatglück haben denn auch gut gerockt, mit glitzer in den haaren
strahlten sie fast eine gala-stimmung aus. ein gang zum klo ließ eine
dann aber das halbe konzert verpassen, inzwischen ist mal wieder nur
noch eins der vier in betrieb, dabei wurden die doch gerade erst
kürzlich bei einem bauwochenende alle repariert!
was solls, nach dem dritten bier hatte ich keine lust mehr auf
betrinken (oder eher angst, das vierte nicht mehr zu vertragen). meine
stimmung wurde trotzdem langsam besser, und randy's ripcord, auch sehr
ladyesk im partnerlook, wirkten ziemlich professionell, da säße jeder
ton, teilte mir eine sachverständige mit. noch netter wurde es dann
aber erst nach den bands, mal abgesehen von der kälte (ich hörte
irgendetwas von ausgefallenen heizungen, wobei mir gar nicht bewusst
war, dass es dort außer diesen komischen gaswärmern überhaupt heizungen
gibt), die letztendlich gar keine andere wahl ließ als zu tanzen.
kurzzeitig endeckte ich die vorzüge, die das tragen eines rockes bei
derlei beschäftigung liefert, es war ein ganz neues beschwingtes gefühl.
als es also gerade richtig nett war, kündigte sich jedoch das ende an.
es war gerade drei vorbei, aber anscheinend hatte man sich um keine
weitere tresenschicht gekümmert. obwohl also bier vorhanden, dj
rock'n'rosa weiterhin motiviert und die tanzfläche noch gut gefüllt,
war dann plötzlich schluss mit lustig. während wir uns noch nicht
gleich verdrängen ließen, näherte sich mir und einer freundin ein
unbedarfter jungspund mit den worten "seid ihr jedes wochenende hier?"
- ich hätte fast lauthals losgelacht. die zusammenfassung der
anschließenden diskussion darüber, wie "ihr mädchen" euch von "uns
jungs" unterscheidet, erspar ich euch aber jetzt mal lieber.
ich habe noch zwei stunden zeit zu arbeiten. ich setze mich vor den
rechner und fange an, an der stelle des interviews weiterzulesen, wo
ich vor sieben stunden aufgehört habe. doch ohne dass ich es verhindern
kann, kullern ein paar tränen aus meinen augen.
"vergebene liebesmüh", was für ein merkwürdiger begriff, doch er
scheint das zu beschreiben, was ich in diesem augenblick empfinde. und
keiner kann was dafür, ich kann nicht mal auf jemanden böse sein, es
ist einfach eine ansammlung unglücklicher umstände, ein gefühl von
wiederholungen, die sich nicht durchbrechen lassen. ich sollte es
aufgeben und mich nur noch auf die arbeit konzentrieren, aber mein
inneres sucht schon wieder nach neuen möglichkeiten, die sehnsucht zu
befriedigen. es würde ja nicht an mir liegen, sagt man mir immer
wieder, also müsste es doch irgendwann funktionieren. das problem ist
nur, dass man vorher ja nie weiß, was draus wird, und im nachhinein
scheinen die getroffenen entscheidungen oft falsch. statt ein bisschen
glück zu spenden, wird dann alles noch deprimierender.
ich könnte mich jetzt einfach aufs bett packen und vor mich hin heulen,
aber würde es mir danach besser gehen? nein, ich wäre noch
unzufriedener. habe heute erst eine stunde auf meinem zettel, dabei
kann es nicht bleiben. also versuche ich, diese gefühle
rauszuschreiben, um eine distanz zu gewinnen, um mich wieder auf die
arbeit konzentrieren zu können.
versucht nicht, das hier zu verstehen, ich verstehe es ja selber nicht,
also kann ich es auch nicht erklären. es geht mir einfach gerade
beschissen, das muss ja wohl auch mal sein dürfen. vielleicht sollte
ich mich nachher auf dem konzert mal richtig betrinken, sowas tut man
doch, wenn es einem schlecht geht, oder?
gestern abend öffnete ich die post, die mir während meiner abwesenheit
zugestellt worden war. natürlich keine privaten briefe, im
elektronischen zeitalter gibt es die ja sowieso nur noch von meiner
95-jährigen großtante zum geburtstag. nein, man will geld, greenpeace
schickte ein lesezeichen mit, die stiftung alsterdorf einen kalender,
und easy credit bot mir mal wieder 10.000 euro an. wirklich geärgert
habe ich mich aber über den mit "persönlich - vertraulich"
überschriebenen, im hellblauen, amtlich wirkenden umschlag verpackten
schrieb der "kabel deutschland vertrieb und service gmbh&co.kg".
was glauben die, wer sie sind? in gez-manier verlangen sie ein
antwortschreiben, sich darauf berufend, "dass ihr haus bzw. ihre
wohnung über einen kabelanschluss verfügt", ihnen jedoch kein vertrag
von mir vorliege. später dann die drohung, sollten sie "in den nächsten
2 wochen keine rückmeldung bei uns verzeichnen", würden sie sich
gezwungen sehen, "ihren anschluss vor ort zu überprüfen und ggf. zu
sperren".
sollen sie doch! sollen sie herkommen, vor der tür stehen gelassen
werden und den nicht vorhandenen anschluss sperren! nicht einen cent
werde ich investieren, um denen mitzuteilen, welche "art der
fernsehversorgung" ich nutze, und erst recht nicht die 12 cent pro
minute der angegebenen 01805-telefonnummer. erst mal geht die das einen
scheißdreck an, und zweitens ist es total dreist, keine normale
telefonnummer bzw. einen sachbearbeiter anzugeben, wo man sich über
deren art der kommunikation aufregen kann. eine ganz miese schiene, am
liebsten würde ich mich irgendwo offiziell beschweren, aber da das dann
doch zuviel aufwand wäre, muss halt wieder mal mein persönliches
beschwerde-forum dafür herhalten.
[nachtrag: drei tage später schreibt
mir kabel deutschland erneut, mit dem betreff "verzeihung - natürlich
waren sie nicht gemeint". ein fehler in der adressdatenbank, und ihnen
sei bekannt, dass ich "völlig ordnungsgemäß" meinen "kabelanschluss
über die mietnebenkosten" bezahle. aha. mir ist das nicht bekannt. ich
habe schließlich gar keinen kabelanschluss. zu allem überfluss riefen
sie heute, also am tag des 2. briefes auch noch hier an, um sich nach
unserer art der "fernsehversorgung" (ein super begriff übrigens, wie
ich finde) zu erkundigen. die spinnen doch irgendwie, oder?]
das programm ist absolviert, mein aufenthalt nähert sich dem ende.
das blockseminar war auch in seinen letzten teilen ganz super, wie viel
es mir im hinblick auf meine arbeit gebracht hat, kann ich noch nicht
beurteilen. zumindest mal den gedanken, den aspekt der politischen
kultur noch einmal zu betrachten, da hab ich eh noch so eine diss eines
ehemaligen dozenten aufm rechner, die ich da noch verwurschteln könnte.
gestern noch lasagne gekocht, in einer ca. 100-qm-küche, deren
bewohner jedoch größtenteils ausgeflogen waren, ein komisches gefühl,
man muss richtig laut rufen, wenn man mit einer person am anderen ende
des raumes kommunizieren will. im anschluss noch auf einer netten
wg-party gewesen, viel getanzt, und schließlich auch einen früheren
bekannten gegrüßt, der auch schon auf der party letzte woche war. es
stellte sich heraus, dass auch er mich dort gesehen hatte und sich nur
nicht sicher war. immerhin jetzt aufgeklärt, schön in dem moment wo er
gerade ging, was uns einen verkrampften smalltalk ersparte.
zum abschluss wollte ich noch auf ein paar alltagsdinge hinweisen,
die mir hier als anders aufgefallen sind. schon bei meiner
letzten berlinreise hatte ich festgestellt, dass die bürgersteige hier
ganz anders als bei uns sind. das lässt sich jetzt schwer in worten
beschreiben, man müsste es fast aufeichnen, aber das ist mir jetzt zu
kompliziert. eine andere beobachtung machte ich erst diese mal: die
klospülungen kommen hier fast immer ohne spülkasten aus, es scheinen
rohre zu sein, die durch das ganze haus gehen. man kann so oft
hintereinander spülen, wie man will, aber es ist sehr laut.
abgesehen von diesen eher älteren unterschieden hat sich aber auch
im bereich der modernen technik einiges getan. angefangen, dass man in
der mensa nur noch mit einer speziellen karte bezahlen kann (man
braucht übrigens auch spezielle ausweise, nur um in die stabi überhaupt
reinzukommen) stehen hier überall in der stadt so komische
leih-fahhräder von der deutschen bahn rum, die man anscheinend mit
handy und kreditkarte bezahlt, um sie zu benutzen - durch das
genaue prinzip bin ich noch nicht ganz durchgestiegen. fahradmitnahme
in der bahn hingegen ist ein stressiges unterfangen: hat man keine
monatskarte oder ähnliches, muss man eine extra-karte lösen, und dann
gibt es in jedem waggon nur eine stelle, wo man das rad mitreinnehmen
kann, es sei denn, der wagen ist ganz vorne, dann geht das dort gar
nicht.
und dann die dinge, die fehlen: dass es budni hier nicht gibt,
wusste ich ja schon, aber was fast schwerer wiegt, ist die abwesenheit
meiner geliebten franzbrötchen. auch wenn mir immer wieder gesagt
wurde, dass es die angeblich doch irgendwo geben soll, habe ich
zumindest hier "im kiez" keine entdecken können und stattdessen
viele schoko-croissants konsumiert.
soweit also der bericht aus berlin, freue mich auch schon wieder auf
zuhause, auch wenn es mir ein bisschen schwerfällt, die stadt zu
verlassen, wer weiß wann ich es das nächste mal hierher schaffe. aber
die arbeit ruft, und das hat hier ja nicht so richtig funktioniert ...
[nachtrag: über die veranstaltur zur definitionsmacht am letzten freitag, die ich auch besucht habe, berichtet bauhaustapete, und dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen]
ungewöhnlich sentimental (für ihre verhältnisse) saß kristi heute allein in einem café am heinrichplatz und blätterte lustlos in den ausliegenden zeitungen herum. sie hoffte, vielleicht jemanden zu treffen, aber glaubte nicht mal wirklich daran - es wäre schon sehr unwahrscheinlich. wenn nur diese gegebenen umstände nicht immer da wären, die alles so kompliziert machen! dann könnte man sich zum beispiel einfach mal gemeinsam betrinken und gucken was passiert. aber was soll's, die umstände sind nun mal einfach gegeben, man kann sie sich nicht wegdenken.
eigentlich ist kristi doch ein kopfmensch, dachte sie zumindest immer, aber manchmal durchkreuzen die emotionen die rationalität, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. auch wenn die vernunft sagt, dass es doch nichts bringt, hat sie keine chance gegen die gefühle, die sich nicht wegdenken lassen.
kristi ist gerade in der bibliothek und tut so, als ob sie arbeitet. tatsächlich wurden nur ein paar artikel kopiert, und gleich ist auch schon kaffeepause und danach vielleicht noch kurz shoppen in den arkaden am potsdamer platz angesagt. abends dann zuppi (mit begleitung) treffen, man ist schon ganz schön neugierig!
das planungschaos hat sich mittlerweile etwas aufgelöst, ein date reiht sich an das nächste. dabei sollte das doch eigentlich auch eine "berufliche" reise werden ... stattdessen klären sich sachen, um dann am nächsten tag wieder durcheinander geworfen zu werden, zum beispiel von spinnenden schreiberlingen, die es einfach nicht lassen können, mit der vermischung von realität und fiktion zu spielen.
ein zeitlich begrenzter aufenthalt an einem ort bringt so seine schwierigkeiten mit sich, wenn man sich viel vorgenommen hat. und dies alles auch noch mit anderen personen zu koordinieren, führt geradezu zum so genannten freizeitstress, auch wenn der sich momnetan eher bei mir im kopf abspielt, als sich manifest zu zeigen. wenn man sich dann für eine und gegen eine andere sache entscheidet, bleibt stets die frage, ob das wohl richtig war, ob man sich denn nun auch genügend amüsiert hat oder eine andere planung sinnvoller gewesen wäre.
wie dem auch sei, ein lang erwartetes treffen habe ich jetzt hinter mir, aber es bleibt das gefühl, dass es noch nicht ausgereicht hat, dass noch lange nicht alles gesagt wurde. die absurde situation, mit jemandem in einem café zu sitzen, den man einerseits schon irgendwie zu kennen glaubt, aber andererseits eben noch gar nicht kennt, die realisierung der virtualität sozusagen. unvertraute vertrautheit, eigene unsicherheit, es bleiben viele fragezeichen.
in so einer wohnung möchte ich auch wohnen, dachte ich den ganzen abend immer wieder. ausgebaute fabriketage mit selbst gesetzten wänden, 14er wg mit 4 meter hohen decken, balken und säulen, alles frisch in weiß gestrichen, noch kaum möbel, man feierte einweihung. ausschließlich angenehme leute, für die eigene fremdheit doch viele bekannte, natürlich auch von zuhause. gesichter, die ich jahre zuvor anderswo kannte, im gespräch mit leuten, mit denen ich am vortag zu abend aß. dann wieder diese menschen, von denen man glaubt sie irgendwoher zu kennen, aber sich dann doch nicht sicher ist.
zwei bars, günstige club-mate und kostenloses wasser. sogar ein buffet mit so leckeren sachen wie humus und guacamole, auch zu später stunde noch vorrätig. nebenräume und eine große lounge mit reichlich sofas, sodass für eine gemütliches gespräch jederzeit platz war. voll, wenn nicht gar zu voll war es allerdings schon zeitweilig, eine runde getränk besorgen und auf klo gehen konnte manchmal so lange dauern, dass man die nächste gleich anschließen konnte. getanzt habe ich deswegen auch nur ansatzweise, in der zeit mit der guten musik waren meine füße eh schon etwas müde und ich hatte mich gerade gut unterhalten.
kristi ist gut angekommen, die mitfahrgelegenheit fuhr sogar bis direkt vor die tür. heute dann wahnsinnig früh aufgestanden, durch die ganze stadt gefahren und pünktlich im seminar angekommen. der erste tag war ganz gut, zunächst ging es um den mobilisierungszyklus 1997-2002, da konnte ich ja ganz gut mitreden. eine nette kleine gruppe, bis auf einen der dozenten ausschließlich frauen, und alle sind sehr motiviert - die meisten wollen gar keinen schein machen, sondern sind einfach aus interesse da. im laufe des tages nahm die konzentrationsfähgkeit zwar etwas ab, ich hatte die texte auch nicht gelesen, aber es war trotzdem interessant. die rückfahrt brachte mir sogar noch eine einladung für ein argentisches treffen ein.
feststellung des tages: die mensa hier ist ja unglaublich billig. und es hat sogar geschmeckt!